Eine Risikovoranfrage klärt vor dem eigentlichen Antrag, ob und zu welchen Bedingungen ein Versicherer Sie aufnimmt. Wir empfehlen deshalb, keinen Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne vorherige Risikovoranfrage zu stellen.
Der Grund liegt in der Risikoprüfung: Jeder Antrag wird vom Versicherer anhand Ihrer Gesundheitsangaben geprüft. Lehnt er ab oder verlangt er einen Zuschlag oder Ausschluss, kann er das an das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) melden. Andere Versicherer sehen diesen Hinweis bei jedem späteren Antrag.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine anonyme Risikovoranfrage prüft Ihre Versicherbarkeit, bevor ein Antrag mit Ihrem Namen gestellt wird.
- Weil die Anfrage ohne Namen, Anschrift und Versicherungsnummern erfolgt und Sie nichts unterschreiben, entsteht keine personenbezogene Meldung an das HIS. Das Geburtsdatum gehört dazu, sonst lässt sich nichts bewerten.
- Die Gesundheitsfragen der Versicherer unterscheiden sich deutlich in Zeiträumen und Formulierung; anzugeben ist nur, wonach der jeweilige Versicherer in Textform fragt (§ 19 VVG).
- Über die Qualität entscheidet die medizinische Aufbereitung: vollständige Krankenhistorie, entschlüsselte Diagnosen, nachvollziehbare Verläufe.
- Geprüft wird nicht nur die Gesundheit: Auch Auslandsaufenthalte, geplante Aufenthalte in Krisen- und Kriegsgebieten, gefährliche Hobbys und Sportarten sowie die finanzielle Angemessenheit der gewünschten Rente klären wir in der Risikovoranfrage.
- Das Verfahren der anonymen Risikovoranfrage wurde Anfang der 2000er Jahre von Helge Kühl entwickelt; wir haben seitdem über 10.000 Risikovoranfragen begleitet.
- Für Sie entstehen keine gesonderten Kosten.
Definition: Was ist eine Risikovoranfrage?
Risikovoranfrage nennt man die Vorprüfung Ihres Gesundheitszustands durch einen oder mehrere Versicherer vor der eigentlichen Antragstellung. Bei der anonymen Risikovoranfrage erhalten die Versicherer Ihre medizinischen Angaben und alle weiteren Umstände, nach denen sie fragen, ohne Namen, Anschrift und Versicherungsnummern und teilen mit, ob sie Sie normal, mit Zuschlag, mit Ausschluss einzelner Erkrankungen oder gar nicht versichern würden. Ihr Geburtsdatum geben wir an, denn ohne Alter lässt sich Ihr Fall nicht bewerten. Wichtig ist vor allem, dass Sie nichts unterschreiben. Erst mit einer Unterschrift willigen Sie in eine Weitergabe Ihrer Daten ein.
Erst wenn ein belastbares Votum vorliegt, wird ein Antrag gestellt – bei dem Anbieter, dessen Bedingungen und Annahmeentscheidung für Sie am besten passen.
Warum ein Antrag ohne Risikovoranfrage riskant ist
Ein herkömmlicher Antrag ist immer personenbezogen. Das gilt auch für sogenannte Probeanträge. Der Weitergabe an das HIS können Sie sich dabei praktisch nicht entziehen: Wer die entsprechende Klausel im Antrag streicht, erlebt nach unserer Erfahrung meist, dass der Versicherer die Prüfung gar nicht erst aufnimmt.
Hinzu kommt die vorvertragliche Anzeigepflicht. Nach § 19 VVG müssen Sie alle Umstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform fragt. Unvollständige oder falsche Angaben berechtigen ihn je nach Verschulden zum Rücktritt, zur Kündigung oder zur Vertragsanpassung. Diese Rechte erlöschen erst nach fünf Jahren, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren (§ 21 VVG).
Gerade im Leistungsfall prüft der Versicherer die Angaben aus dem Antrag genau. Eine sorgfältig vorbereitete Risikovoranfrage ist deshalb nicht nur eine Frage der Annahme, sondern auch der Stabilität Ihres Vertrags. Wie unterschiedlich die Versicherer dieselben Vorerkrankungen bewerten, zeigen unsere Fallbeispiele zur Risikoprüfung.
Was die Risikovoranfrage neben der Gesundheit prüft
Nicht nur Vorerkrankungen können den Versicherungsschutz verhageln. Sie können kerngesund sein und trotzdem einen Zuschlag, einen Ausschluss oder eine Ablehnung erhalten, wenn ein Versicherer zum Beispiel Ihre Sportart als gefährlich einstuft. Deshalb prüfen wir in der Risikovoranfrage alle Umstände mit, nach denen die Versicherer fragen:
- Auslandsaufenthalte: längere oder geplante Aufenthalte im Ausland, etwa beruflich oder für ein Studium,
- Krisen- und Kriegsgebiete: auch geplante Reisen oder Einsätze dorthin,
- Hobbys und gefährliche Sportarten: zum Beispiel Klettern, Tauchen, Motorsport, Reiten oder Flugsport,
- finanzielle Angemessenheit: ob die gewünschte Rente zu Ihrem Einkommen passt,
- Beruf und Tätigkeit: Anteil körperlicher Arbeit, Reisetätigkeit und Personalverantwortung.
Weil all das vor dem Antrag geklärt ist, laufen Sie später nicht Gefahr, dass die Annahme an einem dieser Punkte scheitert.
Die Risikovoranfrage in acht Schritten
1. Bedarf ermitteln
Am Anfang steht die Frage, ob und in welcher Höhe Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht für fast alle Erwerbstätigen nicht aus. Stellen Sie Einnahmen und Ausgaben gegenüber und ermitteln Sie Ihre bestehenden Ansprüche. Hilfe dazu bietet unsere Bedarfsermittlung.
2. Leistungsunterschiede kennen
Sie müssen kein Experte werden, sollten aber wissen, worauf es ankommt. Die wichtigsten Auswahlkriterien und die entscheidenden Leistungen haben wir für Sie zusammengestellt. Im Ernstfall ist es ein Versicherer, der Ihren Lebensunterhalt trägt – seine Bedingungen müssen das leisten.
3. Vergleich anfordern
Mit unserer Angebotsanforderung zur Berufsunfähigkeitsversicherung nennen Sie uns Beruf, gewünschte Rente und Laufzeit. Gesundheitsangaben brauchen wir in diesem Schritt noch nicht.
4. Markt- und Bedingungsanalyse
Wir vergleichen Beiträge und Bedingungen mit der Analysesoftware von Morgen & Morgen. Dabei setzen wir Mindeststandards, die sich an den Arbeitsergebnissen der Stiftung Warentest und des Arbeitskreises Beratungsprozesse orientieren. Kein Anbieter wird vorab ohne sachlichen Grund ausgeschlossen.
Sie erhalten die Beitragsanalyse, einen Leistungsvergleich sowie die Gesundheitsfragen und Stammdaten von zunächst drei bis fünf empfehlenswerten Anbietern.
5. Gesundheitshistorie aufarbeiten
Jetzt folgt der wichtigste Schritt. Die Gesundheitsfragen der Anbieter unterscheiden sich erheblich – bei den abgefragten Zeiträumen für ambulante, stationäre und psychische Behandlungen ebenso wie bei der Frage, ob nur ärztlich behandelte Erkrankungen oder auch Beschwerden anzugeben sind. Was die einzelnen Fragen bedeuten, erklären wir unter Antragsfragen.
Deshalb arbeiten wir mit den Originalantragsfragen jedes Versicherers und nicht mit einem Standardformular. Fragt ein Standardformular zu wenig oder trifft es die Zeiträume nicht, muss im späteren Antrag nachgemeldet werden, und die Voranfrage war umsonst. Fragt es zu viel, erfährt der Versicherer zum Beispiel von Rückenschmerzen vor vier oder fünf Jahren, obwohl er für die Wirbelsäule nur drei Jahre abfragt. Was er liest, wertet er auch. Wir beantworten deshalb genau die Fragen des jeweiligen Versicherers, nicht mehr und vor allem nicht weniger.
Gesetzlich Versicherten raten wir, Auskünfte bei ihrer Krankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung einzuholen. Privat Versicherte fragen bei ihrem Krankenversicherer nach und sehen ihre Abrechnungsunterlagen durch. Vorhandene Atteste und Befundberichte gehören ebenfalls in die Unterlagen. Für die Anforderung stellen wir Musterbriefe zur Verfügung.
6. Unterlagen einreichen
Mit der Marktanalyse erhalten Sie den Zugang zu unserem Portal mit allen Formularen und Anleitungsvideos. Sie bereiten die Unterlagen so weit vor, wie es Ihnen möglich ist, und senden sie uns über unseren elektronischen Postkasten. Wir sichten alles, ergänzen Fehlendes mit Ihnen und anonymisieren die Angaben für die Versicherer.
7. Prüfung durch die Versicherer
Die Versicherer antworten mit einem von vier Ergebnissen: Annahme zu normalen Bedingungen, Annahme mit Ausschluss einzelner Erkrankungen, Annahme mit Risikozuschlag oder Ablehnung. Gelegentlich fordern sie zusätzliche Befundberichte oder Atteste an.
Überzeugen uns die ersten Ergebnisse nicht, stellen wir weitere Risikovoranfragen bei anderen Anbietern. So gewinnen Sie Sicherheit, bevor Sie sich festlegen.
8. Auswertung, Empfehlung und Antrag
Wir werten die Ergebnisse aus, besprechen sie mit Ihnen und sprechen eine Empfehlung aus. Gibt es derzeit kein geeignetes Angebot, prüfen wir Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
Vor dem Antrag legen wir die endgültige Rentenhöhe, das Endalter und sinnvolle Ergänzungen fest, etwa eine AU-Klausel als weitere Anspruchsgrundlage – bei privatem Krankentagegeld nur mit Zustimmung von dessen Versicherer – oder eine garantierte oder versprochene Rentensteigerung im Leistungsfall. Sie erhalten die Antragsunterlagen mit Bedingungen und Verbraucherinformationen. Mit Abgabe Ihrer Vertragserklärung endet die Anzeigepflicht für neu auftretende Erkrankungen – es sei denn, der Versicherer stellt vor der Annahme erneut Fragen. Mit dem Zugang der Police ist der Vertrag zustande gekommen.
Was die Qualität einer Risikovoranfrage ausmacht
Risikoprüfer entscheiden auf Grundlage dessen, was ihnen vorliegt. Unvollständige oder unverständliche Angaben führen zu vorsichtigen Entscheidungen – oder dazu, dass die Annahme beim späteren Antrag anders ausfällt als bei der Risikovoranfrage.
Eine belastbare Risikovoranfrage umfasst deshalb:
- die vollständige Krankenhistorie für die abgefragten Zeiträume,
- die Entschlüsselung der ICD-Diagnoseschlüssel und die Klärung fehlerhafter Abrechnungsdiagnosen,
- eine chronologische Darstellung von Beschwerden, Behandlungen und Ergebnis,
- aktuelle Befundberichte, wo der Verlauf es erfordert.
Unser Rat: Füllen Sie die Unterlagen gut leserlich und nachvollziehbar aus. Unsere Erfahrung zeigt, dass Risikoprüfer fairer und präziser entscheiden, wenn sie Ihre Krankengeschichte klar verstehen.
Bei welchen Versicherungen Risikovoranfragen sinnvoll sind
Risikovoranfragen stellen wir nicht nur für die Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern überall dort, wo Gesundheitsfragen über die Annahme entscheiden:
- Risikolebensversicherung
- Erwerbsunfähigkeitsversicherung
- Grundfähigkeitsversicherung
- Funktionsinvaliditätsversicherung
- Pflegezusatzversicherung
- Kinderinvaliditätsversicherung
- private Unfallversicherung
- private Krankenversicherung – dazu mehr auf unserem Fachportal pkvforum24.de
Was kostet eine Risikovoranfrage?
Für Sie entstehen keine gesonderten Kosten oder Gebühren. Als Versicherungsmakler erhalten wir bei Abschluss eines Vertrags eine Courtage vom Versicherer. Ihr Beitrag ändert sich dadurch nicht, weil die Versicherer die Abschlusskosten von vornherein einkalkulieren. Wir verdienen also nur, wenn wir einen für Sie passenden Versicherungsschutz finden und Sie ihn über uns abschließen.
Fachliche Einordnung
Unser Vorgehen wurde von unabhängigen Medien und Institutionen aufgegriffen, darunter Finanztest, Ökotest, der Bund der Versicherten und der Spiegel.
Häufige Fragen zur Risikovoranfrage
Ist das Ergebnis einer Risikovoranfrage verbindlich?
Das Votum gilt für die Angaben, die der Versicherer geprüft hat. Enthält der spätere Antrag dieselben Angaben und hat sich Ihr Gesundheitszustand nicht verändert, nimmt der Versicherer in aller Regel zu den angekündigten Bedingungen an. Deshalb stellen wir den Antrag zeitnah nach der Risikovoranfrage. Weil wir in der Voranfrage genau seine Antragsfragen beantwortet haben, können wir uns später darauf berufen, dass er alles kannte, was er wissen wollte. Nach unserer Erfahrung hat das bisher immer getragen.
Wird eine anonyme Risikovoranfrage im HIS gespeichert?
Nein. Die Versicherer erhalten weder Ihren Namen noch Ihre Anschrift, und Sie unterschreiben nichts. Deshalb können sie Sie nicht melden. Ein Eintrag im HIS ist erst bei einem personenbezogenen Antrag möglich.
Was unterscheidet die Risikovoranfrage vom Probeantrag?
Ein Probeantrag ist ein vollständiger Antrag mit allen persönlichen Daten, auf dem nur „zur Probe“ steht. Er wird wie ein echter Antrag geprüft; eine Ablehnung oder ein Zuschlag kann gemeldet werden. Die anonyme Risikovoranfrage liefert dieselbe Einschätzung, ohne dass Ihre Person bekannt wird.
Muss ich Erkrankungen angeben, nach denen nicht gefragt wird?
Nein. Die Anzeigepflicht nach § 19 VVG bezieht sich nur auf die Fragen, die der jeweilige Versicherer in Textform stellt. Weil diese Fragen sich unterscheiden, bereiten wir die Risikovoranfrage für jeden Anbieter passend zu seinen Fragen auf.
Wie lange dauert eine Risikovoranfrage?
Die Dauer hängt vor allem davon ab, wie schnell Auskünfte von Krankenkasse, Ärzten und Kliniken vorliegen. Die Prüfung durch die Versicherer selbst ist meist der kürzere Teil.
Lohnt sich eine Risikovoranfrage auch ohne Vorerkrankungen?
Ja. Auch scheinbar harmlose Arztbesuche, etwa wegen Rückenbeschwerden oder einer kurzen psychotherapeutischen Beratung, können je nach Versicherer zu Ausschlüssen führen. Hinzu kommen Hobbys, gefährliche Sportarten und Auslandsaufenthalte, die manche Versicherer nicht oder nur mit Zuschlag versichern. Die Risikovoranfrage zeigt vorher, welcher Anbieter all das wie bewertet.
Ihr nächster Schritt
Fordern Sie unverbindlich einen Beitrags- und Leistungsvergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung an. Wir senden Ihnen die Unterlagen von zunächst drei bis fünf empfehlenswerten Anbietern und begleiten Sie durch die Risikovoranfrage.
© 2026 Helge Kühl und Kollegen eG. Fachlich verantwortlich: Helge Kühl. Stand: Oktober 2026.

