Auswahlkriterien: 3 Säulen (Beiträge, Leistungen, Antragsfragen)
Die Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Tarif-„Geschmacksfrage“, sondern eine fachliche Prüfung in drei Dimensionen: Beiträge, Bedingungen/Leistungen und Antragsfragen.
Wer nur nach dem Preis entscheidet, übersieht regelmäßig entweder Leistungslücken im Bedingungswerk oder Risiken in der Gesundheitsprüfung.
1. Beiträge: Preisunterschiede sind real – aber nur bei identischen Eckdaten bewertbar
BU-Beiträge können selbst bei ähnlichem Profil deutlich variieren. Ein Vergleich ist nur sinnvoll, wenn Eckdaten und Mindeststandards identisch sind (BU-Rente, Endalter, Raucherstatus, Zusatzbausteine usw.). Genau deshalb trennen wir Beitragsanalyse und Risikoprüfung strikt – und arbeiten mit Praxisbeispielen, die nur unter gleichen Annahmen vergleichbar sind.
→ Beiträge: Preisunterschiede & Praxisbeispiele
2. Leistungen/Bedingungen: Mindeststandards zuerst, Extras danach
Entscheidend ist, ob ein Vertrag im Leistungsfall sauber leistet. Deshalb filtern wir zuerst Mindeststandards der Bedingungen (z. B. Verzicht auf abstrakte Verweisung, 6-Monats-Prognose, Rückwirkung, klare Regelungen zur Nachprüfung). Erst wenn diese Basis stimmt, bewerten wir optionale Leistungsbausteine wie AU-Klausel, garantierte Leistungsdynamik oder Pflegeoptionen.
→ Leistungen: Mindeststandards & Leistungs-Extras
3. Antragsfragen: der unterschätzte Hebel (Wortlaut & Zeiträume)
Es ist immer alles anzugeben, wonach der Versicherer schriflich fragt (§ 19 VVG). Die Gesundheitsfragen sind nicht standardisiert. Anbieter fragen unterschiedliche Zeiträume (ambulant/stationär/psychisch) ab und unterscheiden teils zwischen „ärztlich behandelt“ und „jedwede Beschwerden/Anomalien“. Ob ein Sachverhalt anzeigepflichtig ist, hängt deshalb vom konkreten Wortlaut ab. Pauschale Abfragebögen sind methodisch falsch und erzeugen unnötige Risiken.
→ Antragsfragen: §19 VVG, Wortlaut, Zeiträume & Praxisbeispiele
4. Risikoprüfung vor Antrag: anonyme Risikovoranfrage mit strukturierter Aufbereitung
Erst nach Bedarfsermittlung, Markt-/Bedingungsanalyse und Klärung der Antragsfragen folgt die strukturierte Risikoprüfung. Hier entscheidet die Qualität der Aufbereitung: Chronologie, Einordnung von Diagnosen/ICD-Codes, Klärung unklarer Angaben.
Stand 12. Mai 2026
Autor: Helge Kühl


